Der Verein
Le Rêve du Petit Cartable
Ich weiß, was es bedeutet, lernen zu wollen, wenn die finanziellen Mittel fehlen. Ich war dieses Kind.
Ich weiß auch, dass eine Hilfe, die vielleicht klein erscheinen mag, manchmal den Lebensweg eines Kindes verändern kann. Vielleicht hat Bildung gerade deshalb schon immer einen besonderen Platz in meinem Engagement eingenommen.
Lange Zeit habe ich mir gesagt, dass ich eines Tages, wenn ich reich wäre, Schulen und Waisenhäuser in Burkina Faso bauen würde, um Kindern aus benachteiligten Familien zu helfen.
Doch der Reichtum ließ auf sich warten.
Und irgendwann habe ich verstanden, dass man nicht viel besitzen muss, um mit dem Helfen anzufangen.
So haben wir 2019 gemeinsam mit Freunden aus meiner Kindheit in Burkina Faso einen humanitären, politisch unabhängigen und gemeinnützigen Verein gegründet, dessen Präsidentin ich heute bin.
Zu Beginn haben wir verschiedene Projekte für Frauen und Kinder durchgeführt, darunter auch für binnenvertriebene Kinder. Mit der Zeit spürten wir jedoch das Bedürfnis, unserem Engagement eine klarere Richtung zu geben.
Wir haben uns für Bildung entschieden.
Heute trägt unser Verein den Namen „Le rêve du petit Cartable“ und begleitet vor allem Kinder aus benachteiligten Familien auf ihrem Bildungsweg.
Zu Beginn jedes neuen Schuljahres tun wir, was wir können, mit dem, was wir haben: Wir übernehmen Schulgebühren, schenken Schulmaterialien oder einen Schulranzen und beteiligen uns an den Kosten für die Schulverpflegung.
Unser Ziel ist nicht, zu versprechen, die Welt zu verändern, sondern einem Kind zu ermöglichen, mit Schulheften in ein neues Schuljahr zu starten. Einem anderen zu ermöglichen, die Schule nicht verlassen zu müssen, weil das Schulgeld fehlt. Und einem weiteren, während seines Schultages eine Mahlzeit zu bekommen.
Der Name „Le rêve du petit Cartable“ ist eng mit meinem eigenen Lebensweg verbunden. Als Kind war der Schulbesuch für mich keine Selbstverständlichkeit. Ich kenne den Wunsch zu lernen, die Schwierigkeiten, wenn das Schulgeld fehlt, und die Bedeutung jener Hände, die mir an bestimmten Stellen meines Weges geholfen haben, weiterzugehen.
Und lange bevor ich meine eigenen Bücher besaß, gab es einen Schulranzen, der mir nicht gehörte: den meiner Cousine. Heimlich öffnete ich ihn, schaute ihre Hefte an und versuchte, die Wörter zu verstehen.
Heute möchte ich diese Chance weitergeben.
Denn hinter einem kleinen Schulranzen stecken nicht nur Hefte und Stifte.
Dahinter steckt vielleicht eine zukünftige Lehrerin, ein Krankenpfleger, eine Landwirtin, ein Unternehmer, eine Künstlerin oder eine Wissenschaftlerin.
Vor allem aber steckt dahinter ein Kind, das die Chance verdient, herauszufinden, was in ihm steckt.
Das bedeutet „Le rêve du petit Cartable“ für mich: nicht anstelle eines Kindes zu entscheiden, was einmal aus ihm werden soll, sondern ihm einige der Werkzeuge mitzugeben, die es braucht, damit es eines Tages selbst darüber entscheiden kann.